biography

Frankfurt, 8. Dezember 1978. Es sind -8 Grad draußen und die Straßen sind spiegelglatt. Das Marienkrankenhaus in der Richard-Wagner-Straße 14 wird seit acht Stunden in Schach gehalten. Auch wenn es mir die Ärzte und auch meine Eltern nicht direkt gesagt haben, ich könnte schwören sie waren froh, als der Spuk endlich ein Ende hatte. Ihr wolltet es so. Um punkt 16:16 Uhr verließ ich mit einem Kampfgewicht von 3900 Gramm, einer größe von 51 cm und einem Kopfumfang von satten 36,5cm den bis dato gemütlichsten Platz meines Lebens. Besonderer Dank geht hier auch an meine Hebamme Frau Martini, die erste Frau die mir auf den Arsch geschlagen hat. Man sieht sich immer zwei Mal im Leben...

Die Karriere des E. aus F. am M. konnte beginnen. Und sie begann im städtischen Kindergarten irgendwo im Stadtteil Preungesheim. Die Zeit im Kindergarten war eigentlich OK. Nur, dass wir regelmäßig zum Mittagsschlaf gezwungen wurden, verzeihe ich dem Laden bis heute nicht. Ich bin bis heute davon überzeugt, dass das keine pädagogische Maßnahme, sondern eine Art zweite Mittagspause für die Kindergärtnerinnen war. Aber gut, ich bin nicht nachtragend…

Nächste Station war dann die Grundschule. Die Holzhausenschule sollte das Fundament für meine schulische (Aus-)Bildung werden. Ich war ein ganz guter Schüler, obwohl ich doch manchmal mit der deutschen Rechtschreibung zu kämpfen hatte. Dafür war ich in Mathe gut. Wenn ich heute sage, „ich war gut in Mathe", dann bezieht sich das immer auf die ersten vier Jahre meiner Schullaufbahn. Aber das nur nebenbei…

"Ich war ein guter Schüler"

1989 begann ich mich auf mein Abi vorzubereiten. Die Musterschule sollte meinem Grundwissen und meiner Bildung den letzten Schliff geben. Die Rechtschreibung wurde besser, die Mathenoten konsequent ignoriert und Gummitwist wollte irgendwie keiner mehr spielen. Nach acht Jahren intensiver Vorbereitung hatte ich mein Abi dann in der Tasche und somit einen schriftlichen „Befähigungsnachweis für ein Hochschulstudium".

Im zarten Alter von 19 begann dann die allgemeine Orientierungslosigkeit. Freigestellt vom Wehrdienst durfte ich mich direkt in die Berufsplanung stürzen. „Was willst Du denn jetzt machen?" War die Frage, die ich zu dem Zeitpunkt quasi im Sekundentakt hörte. „Irgendwas mit Medien!" kam dann prompt als Antwort. „Gut, der Junge hat ein Ziel", hieß es.
Von wegen. Irgendwas mit Medien ist ungefähr genauso präzise wie „Irgendwas mit Sprachen", oder „Irgendwas mit Menschen". Es ist einfach ein Platzhalter für „Ich weiß es nicht, aber hoffentlich macht es reich und Spaß!".

"Gut, der Junge hat ein Ziel!"

Aber es war auch etwas Wahres dran. Ich konnte mir eigentlich alles vorstellen, was im Entferntesten mit kreativer Arbeit zu tun hat. Da ich nicht Malen oder Zeichnen kann, kam ein Design-Studium nicht in Frage. Schauspieler war eigentlich mal mein Traumberuf, aber als sabbernde Leiche im Tatort zu enden war dann auch nicht wirklich verheißungsvoll. Werbung war das nächste Stichwort. Ich wollte Werbespots und Slogans kreieren. Also direkt zwei Praktika gemacht. In der Werbeagentur Dorfer Dialog und in der Agentur für digitale Medien Blue Mars.

"Saddam Hussein kommt in einen Fahrradladen..."

Nach den Praktika entschied ich mich dann doch erst mal für „Nummer sicher". Ein Studium. Die Orientierungslosigkeit feierte ihr Comeback. Ich begann mit Amerikanistik und Sport, wechselte Zwischendurch zu Germanistik und landete dann irgendwie bei Jura. Meine offene Art gepaart mit meiner Lust am konstruktiven Streitgespräch sollte mich für das Fach der Rechtswissenschaften eigentlich qualifizieren. Aber bereits in den ersten drei Vorlesungen musste ich gegen Schlafattacken und das langweilige Gebabbel von Berufssöhnen ankämpfen. Ich harrte noch drei Semester aus und machte sogar den ein oder anderen Schein. Aber meine wahre Leidenschaft, „irgendwas mit Medien" schlummerte weiter in mir. Klangheimlich bewarb ich mich bei der Werbeagentur Ogilvy & Mather als Texter. Ein Copytest (ein Kreativtest) musste ebenso absolviert werden, wie ein Vorstellungsgespräch. Im Test gab es unter anderem die Aufgabe, einen Witz zu Ende zu erzählen:
"Saddam Hussein kommt in einen Fahrradladen…"
Daraus sollte ein Witz gemacht werden. Am Ende kam folgendes heraus:

"Saddam Hussein kommt in einen Fahrradladen. Fragt der Verkäufer: "Was wollen SIE denn bitte mit einem Fahrrad?!" Daraufhin antwortet Hussein: "Naja, ich glaube nicht, dass ich 'nen Golfkrieg…"

Ich habe den Posten nicht bekommen…

Zur gleichen Zeit arbeitete mein Ex-Mitbewohner Thomas Schanze bereits bei GIGA. Er machte mich darauf Aufmerksam, dass dort an einem "geheimen" Gamesprojekt gearbeitet wird und in kürze Castings seien. Danach ging alles recht schnell: Casting gemacht - zum Vorstellungsgespräch eingeladen - meinen Körper verkauft - bei GIGA angefangen.

Das war im Oktober 2000. Mittlerweile überlege ich ob es die richtige Entscheidung war, oder ob ich doch als Unterwäschemodel für Calvin Klein hätte weitermachen sollen…